Das E-Auto anmelden

Oder: Fragen, Fragen und wenige Antworten

Ein Mittwoch im Januar, kurz nach 8 Uhr, ich bin schon total entnervt. Keinen Parkplatz gefunden vor der Kfz-Zulassungsstelle, dreimal um den Block gekurvt, reingestürmt, Platz genommen, drangekommen. Zum Glück hab ich vorher online einen Termin gemacht. Dass ich den direkt knicken kann, weil ich schlauerweise zwar die Versicherungsdaten für meine neue emover24-Versicherung von Schmitz-Horn-Treber mitgenommen, aber den Fahrzeugbrief zu Hause gelassen habe ... okay, ist jetzt nicht sooo der Knaller. Also zurück nach Hause, den Brief geholt, wieder hin, diesmal zur Kollegin beim Amt.  Und jetzt beginnt der Spaß, denn aktuelle Informationen rund ums E-Auto scheinen im Bergischen Land nicht jedem geläufig zu sein. Jedenfalls nicht bei meiner Zulassungsstelle.  

 

Die Sache mit dem E  

Wunschkennzeichen ausgesucht? Super. Ist auch verfügbar. Achtstellig! GM-JM (irgendwo muss sich JUHRmade ja wiederfinden :-)) und dann das Geburtsdatum meiner Frau.  Ja, und dann die Gretchenfrage: „Ach so, da kommt ja noch das E für Elektroauto mit aufs Nummernschild“, sagt die freundliche Dame beim Amt.

„Ja, wenn das nach den acht Stellen noch passt? Aber passt nicht mehr, oder?“, antworte ich.

Kurzes Zögern. Dann: „Nee, passt nicht mehr.“

„Muss das denn drauf?“

„Weiß ich auch nicht. Ich frag mal nach.“

Neun Sekunden später. „Nee, muss nicht.“

„Vielleicht gibt es ja auch ein Kennzeichen mit kürzerer Zahl“, überlege ich laut.

Ein Seufzen. „Aber dann muss ich das ja nochmal alles eingeben. Na gut.“

Nach drei Minuten ist klar: Nee, gibt kein schönes kurzes Kennzeichen, wir lassen alles beim Alten.  

 

Ganz einfach hat es sich zum Glück mit der Versicherung – was mir so gar nicht bewusst war, da ich länger kein Auto mehr selber angemeldet habe. Einen Code, den mir mein emover24-Berater zuvor gemailt hat, reiche ich einfach beim Amt ein, erledigt. Das Praktische an dieser speziell für E-Autos entwickelten Versicherung: Sie tritt unter anderem auch bei Überspannungsschäden ein.  

 

Die Sache mit den Steuern

So weit so gut, es folgt das muntere Formularausfüllen: „Hier ist noch die Einzugsermächtigung für die Bundeskasse wegen der Kfz-Steuer.“

Ich zögere. „Okaaayyyy ... aber das Auto ist ja zehn Jahre steuerfrei.“

„Muss aber unterschrieben werden.“

 

Gut, denke ich, vielleicht fahre ich den Wagen ja 15 Jahre und dann muss natürlich irgendwann mal munter abgebucht werden. Als nächstes erhalte ich eine Feinstaubplakette.

„Was soll ich denn damit?“

„Das fragen wir uns auch. Ist aber Vorschrift.“

Ja, denke ich, nach dieser Vokabel bestreitet ihr hier offensichtlich euren gesamten Arbeitsalltag. VORSCHRIFT. Egal, ich zahle gute 40 Euro für die Anmeldung und gehe drei Türen weiter, wo die Autoschilder erstellt und nochmal 40 Euro fällig werden.

„Aber da muss doch ein E mit drauf bei einem E-Auto, oder?“, fragt die zum Glück recht redselige Mitarbeiterin, die selbst ein gasbetriebenes Fahrzeug fährt. Mir wird schon wieder so anders. Weiß die jetzt mehr als die Tante beim Amt? Muss? Oder kann? Oder was? Ich werde das später mal online recherchieren. Jedenfalls sehen die Nummernschilder ganz toll aus und ich gehe zurück ins Amt, um mir alle Unterlagen abzuholen.

Willkommen bei Mitarbeiterin Nummer vier. Wir sind schon bei der Abschiedsfloskel, da sehe ich aus dem Augenwinkel auf dem Formular, das dann jetzt wohl vom Amt zur Bundeskasse wandert, folgenden Vermerk: „Steuerbefreit – nein.“

Ich: „Wieso steht denn da ein Nein?“

Sie: „Das ist ein Auto. Darauf müssen Sie Kfz-Steuern zahlen.“

Ich: „Das ist ein E-Auto. Darauf muss ich zehn Jahre lang keine Kfz-Steuern zahlen.“

Sie: „Ein elektrisches Auto?“

Ich: „Jaaaaaah, ein elektrisches Auto.“

Sie: „Ich frage mal nach.“

 

Zwei Minuten später.

Sie: „Nein, das ist nicht steuerbefreit. Und wir können das jetzt auch nicht mehr ändern.“

Ich: „Doch, ist es, für zehn Jahre. Aber na ja.“  

 

Die Fakten

Schöne Geschichte, aber was stimmt denn jetzt?  Zur Steuerbefreiung  Laut Paragraf 3d des KraftStG sind reine Elektroautos, die jetzt und (nach aktueller Gesetzeslage) bis zum 31. Dezember 2020 zugelassen werden, für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, anschließend reduziert sich der Satz der dann eigentlich zu zahlenden Steuer um 50 Prozent. Ab 2018 müsste ich also 56 Euro im Jahr bezahlen. Das ist auch nicht erst seit gestern so, und wie ich später auf nochmaliges Nachfragen hin erfahre, kann man das beim Amt auch nicht separat eintragen, sondern muss das „Nein“ setzen. Hätte man mir ja mal erklären könnten, überlege ich.  Egal. Hier gibt es dazu weitere Infos: http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verkehrsteuern/Kraftfahrzeugsteuer/Steuerverguenstigung/Elektrofahrzeuge/elektrofahrzeuge_node.html  

 

Zum E auf dem Kennzeichen:

Das E ist keine Pflicht. Natürlich kann man es als Statement sehen: Hallo, seht alle her, ich fahre ein E-Auto. Das dürfen übrigens sogar jene sich aufs Nummernschild setzen lassen, die einen Plug-in-Hybrid fahren, eine Mischung aus E-Auto und Benziner also, deren Mini-Elektromotor im Winter vielleicht 30 Kilometer alleine schafft, aber per Stecker aufgeladen werden kann.  - Das E hat ein paar Vorteile: Man kann in bestimmen Kommunen die Busspur nutzen (sorry, aber: Was für ein Blödsinn!) und kostenfrei parken. Okay, ein echter Vorteil. Aber in welchen Kommunen? Und wissen das immer die Politessen? Und was ist mit den Parkhäusern? Und sieht man nicht auf einem reinen E-Auto-Parkplatz allein am Ladevorgang schon, dass es sich um ein E-Auto handelt? - Ich verzichte zugunsten des schönen Kennzeichens jetzt erst mal aufs E. Und wenn ich später beschließe, dass es doch nicht verkehrt ist, dann ... melde ich es halt um.

War doch nett da auf dem Amt!