JUHRlectric – Der E-Auto-Blog

Folge 2: Was darf es denn sein? Von Modellsuche, Enttäuschungen und Überraschungen

i3. Nein. Ampera-e. Nein. Renault Zoe. Nein. Tesla Model 3.

Vielleicht. Hyundai Ioniq Electric. Nein. Vielleicht. Doch, ja.  

 

Berufsbedingt dürfen wir immer mal wieder Autos zur Probe fahren. Auch jene mit Elektromotor. Mit einigen habe ich mich nach der Fahrt intensiv befasst. Mit anderen noch intensiver, ohne sie gefahren zu sein. Hier eine kurze, ganz persönliche Übersicht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Einen Nissan Leaf werden wir für eine Reportage noch fahren, ein E-Golf kam für uns nicht infrage.

 

BMW i3

Trendsetter, keine Frage. Zeigt jedem, von innen und außen: Ich bin anders. Ich bin ein E-Auto. Ist blöderweise so gebaut, dass die hinteren Seitentüren nur aufgehen, wenn man erst die vorderen öffnet. Hat auch nicht viel Kofferraum. Schafft im Alltag an die 200 Kilometer. Geht gut ab dank 170 PS. Wer ihn mit einem größeren Akku haben möchte, ist aber schon in der Standardversion mit 40.000 Euro dabei. Wir sind ihn in Gevelsberg gefahren und hatten eine Menge Spaß. Es gibt den i3 auch mit Range Extender, also einer Art Umkehrung des Plug-in-Prinzips. Heißt: An Bord ist ein 9 Liter-Benzintank, den ich, wenn der reine Akku sich leert, klassisch betanke, damit der dann den Akku wieder auflädt. Hm.

 

Opel Ampera-e

Meine Lieblingsgeschichte über das Scheitern deutscher E-Auto-Bemühungen. Monatelang habe ich mich intensiv mit diesem Auto befasst, weil: Es schien für uns DAS Auto zu sein. Ein Kompaktvan, basierend auf dem (in den USA schon sehr erfolgreichen und dort auch entwickelten) Chevrolet Bolt. Mit einem riesigen, über 400 Kilogramm schweren, 60 Kilowatt fassenden Akku. Mit einer Alltagsreichweite von 300 bis 400 Kilometern, weil je 100 Kilometer rund 15 bis 20 Kilowattstunden an Strom verbraucht werden. Mit Platz für vier Personen, vertretbarem Kofferraum und leider billigem Plastik im Inneren, was ich aber nicht so schlimm fände. Preis in recht guter Ausstattung: Rund 40.000 Euro.

 

Es gibt zu diesem Auto fette Messeauftritte, eine eigene, sehr schöne Landingpage, einen Imagefilm, ein Facebookprofil. Nur: Es gibt das Auto nicht. Jedenfalls nicht wie gedacht. Amerika hat ihn als Chevrolet. Das E-Auto-Vorreiterland Norwegen hat ihn in der Tat als Opel. Und für den deutschen Markt sind in den nächsten drei Jahren schätzungsweise 150 Exemplare (wohlgemerkt: insgesamt, nicht pro Jahr) angedacht. Die kann man nicht kaufen, sondern nur leasen, Leasingrate monatlich bei 10.000 Kilometer Laufleistung laut meiner letzten Info: 505 Euro. Ich habe letztes Jahr mit mehreren Opel-Händlern über das Auto gesprochen. Sogar mit Opel direkt. Ich hatte vor, damals schon einen Blog zu schreiben.  

 

Mann, was habe ich für dieses E-Auto-Phantom eine Zeit verbrannt. Da bekommt das Wort Verbrenner eine ganz neue Bedeutung. Und dann kam PSG und kaufte Opel. Und alles wurde nichts. Oder vielleicht. So, genug Worte drauf verschwendet. Schauen wir lieber zu Tesla.  

 

Tesla Model 3.

Oder so. Ein Tesla ist ein geiles Teil. Daran besteht für mich mal gar kein Zweifel. Und die Strategie, mit den Superchargern das eigene Ladenetz gleich mitzuliefern, ist auch kühn und sinnvoll. Ich bin dreimal in einem Modell S mitgefahren, habe einmal bei Tesla selbst für eine halbe Stunde einen fahren dürfen. Diese Beschleunigung. Diese intuitive Bedienung über das Riesen-Touchdisplay. Diese komplett andere Art und Weise, ein Auto zu denken ... beeindruckend. Nur hat das mit Effizienz mal gar nichts zu tun. Mehr als 20 Kilowattstunden pro hundert Kilometer braucht der Tesla im Schnitt, das ist anderthalb mal so viel wie manche anderen E-Autos. Im Winter können es auch 30 werden. Und bezahlbar ist der Tesla für die meisten Menschen auch nicht. Modell S kostet ab 70.000 Euro, vernünftig ausgestattet sind es deutlich über 80.000, für das Model X wird der Preis einer kleinen Wohnung in guter Lage fällig.  

 

Davon abgesehen: Möchte ich ein Fünf-Meter-Auto haben, das zwei Tonnen wiegt? Und dann kündigt Elon Musk das Modell 3 an. Mittelklasse. Für jeden bezahlbar. Kommt bis Ende 2018. Also: 1000 Euro von der Kreditkarte abbuchen lassen, das Ding vorbestellt. Was passiert? Nicht viel. Tesla verfehlt die angepeilten Produktionszahlen gleich im ersten Monat gewaltig. Und der Preis von rund 35.000 Dollar für die USA muss für Deutschland bei weitem nicht 35.000 Euro bedeuten. Zumal dann auch wieder manche wichtigen Assistenzsysteme nicht an Bord sind, von Allrad mal ganz zu schweigen. Den brauche ich aber im Oberbergischen, zumindest, wenn die Alternative sonst Heckantrieb lautet. Da ist man dann aber in vernünftiger Konfiguration schnell bei 50.000 Euro. Was tun? Vorbestellung, die man jederzeit widerrufen kann, einfach aufrecht erhalten. Abwarten. Alternative suchen.

 

Renault Zoe.

Erfolgreiches No go Kompakt, erfolgreich, beliebt. Nicht mein Ding. Ja, hat einen großen Akku, schafft 250 bis 300 Kilometer im Alltag, braucht aber lange zum Laden, ist mir zu klein, macht mit 88 PS jetzt nicht soooo viel Spaß.

 

Und dann das No go: Eine beim Umklappen nicht teilbare Rücksitzlehne? Dann fahre ich also mit der Familie in den IKEA, wo man ja inzwischen zum Teil kostenfrei sein E-Auto laden kann, entdecke ein schönes Regal und ... Sohnemann fährt auf dem Dach nach Hause? Wer denkt sich so was eigentlich aus? Und dann das Selbstbelügen mit der Batteriemiete: Das Auto kostet vergleichsweise scheinbar wenig, weil man die Batterie auch nur mieten kann statt sie gleich mitzukaufen. Das geht ab 59 Euro im Monat. Wer aber ein paar Kilometer mehr im Jahr fahren möchte, muss 119 Euro zahlen, macht im Jahr um die 1400 Euro, also in fünf Jahren 7000 Euro. Da man man sie auch gleich kaufen. Apropos Renault: Da war ja noch der ...

 

Twizy

Süß. Mit 5 oder 18 PS. Mit 45 oder 80 km/h Spitze. Mit 80 Kilometer Reichweite. Ich hab mir sagen lassen, Generation 1 sei noch nicht ganz so ausgereift. Hoffen wir mal, dass bis 2023 ein Nachfolger kommt. Gerne wieder mit dem kleinen Motor und etwas größerem Akku. Denn den kriegt dann mit 16 mein Sohn, wenn er seinen Vespa-Führerschein macht. Eine E-Auto-Prämie gibt es auf den Twizy übrigens nicht. Gilt ja nicht als Auto, sondern als Quad. Nur elektrisch und mit Dach.

 

Hyundai Ioniq Elektro

oder: Die Liebe auf den zweiten Blick Blick nach Südkorea. Interessant, was Hyundai da macht. Entwickelt ein Mittelklasse-Auto speziell für die E-Mobilität. Als Hybrid, Plug-in-Hybrid und reines Elektroauto. Schick ist der, megagut ausgestattet, aber dieser Akku?! 28 Kilowatt Kapazität? Nicht mal die Hälfte von einem Ampera, aber der kommt ja nicht, weniger als im Zoe, viiieel weniger als im Tesla? Nee, nee. Wohl eher auch nicht.

 

Dann noch mal genauer hingeschaut. YouTube-Videos angeguckt. Kommentare begeisterter Erstfahrer gelesen, die im Sommer mit 11 bis 14 Kilowatt pro hundert Kilometer auskommen und somit 200 bis 250 Kilometer im Alltag mit dem Ioniq fahren. Die es im Winter muckelig warm haben, ohne groß Akku zu verbrauchen, weil die Ausführungen Style und Premium eine Wärmepumpe eingebaut haben, welche die Heizung speist. Ist das clever. Und dann der Preis: 38.000 Euro brutto Listenpreis für ein voll ausgestattetes Auto, das überhaupt keine Extraliste mehr hat außer einem Schiebedach. Weil es eben alles hat, was man braucht. Und, zugegeben, einfach auch gerne hätte. Ich konfiguriere mir also andere E-Autos mit vergleichbarer Ausstattung. Alle deutlich (mindestens 5.000 Euro) teurer. Selbst vergleichbare Benziner deutscher Hersteller kosten mehr. Okay.

 

Und wo gibt es den jetzt? In Bayern! Woanders auch, aber da schneller. Warum das so ist und weshalb es sich lohnt, ein halbes Jahr aufs Auto zu warten ... erfahrt ihr bei JUHRlectric.